Krisenkommunikation – und sonst gar nichts?

Verbietet es sich, in diesen Zeiten als Kommunikator:in über etwas anderes zu sprechen als über Krisenkommunikation? Wer den Diskussionen auf den einschlägigen Plattformen folgt, könnte genau diesen Eindruck gewinnen. Noch vor wenigen Wochen haben wir über Purpose und Haltung diskutiert – heute sind dies Schimpfworte für eine Kommunikation, die angeblich nur Nabelschau ist!?
Also ehrlich: Wer geifert da eigentlich ? Und vor allem warum? Bei allem Verständnis für diejenigen, die alle anderen Themen der Kommunikation im Moment als überflüssig empfinden, weil wir uns fokussieren müssen – deswegen sind diese Ansätze nicht gleich Bullshit und Makulatur!
Es werden auch wieder andere Zeiten kommen! Das wollen wir doch alle annehmen, oder?

Und gibt es nicht schon die ersten Anzeichen!? Wie unmittelbar und berechtigt kam die Empörung über Adidas oder Deichmann, die mal eben reputationsschädigend ankündigten, keine Miete mehr zahlen zu wollen! Zu alten Zeiten wäre nun der Kaufboykott erfolgt, aber aufschoben ist vielleicht nicht aufgehoben.
Dass eher Haltung im Sinne der Gesellschaft gefragt ist, zeigen Unternehmen, die ihren Geschäftszweck mal flugs anpassen, um Desinfektionsmittel statt Himbeergeist, Schutzmasken statt Kleidung und Atemschutzgeräte statt Pumpen herzustellen. Ja, diese Unternehmen werden damit Geld verdienen, aber sie sichern Arbeitsplätze, zahlen Steuern und nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung war –  widerspruchsfreie Corporate Social Responsibility der ziemlich besten Sorte!
Wie wichtig interne Kommunikation in diesen Tagen ist, muss man eigentlich nicht betonen: Nur im Dialog mit der eigenen Mitarbeiterschaft werden viele Unternehmen diesen verordneten Ausnahmezustand überstehen. Für den einen oder anderen Unternehmenslenker dürfte sich sehr bald die versäumte Kommunikation aus früheren Zeiten rächen, denn Loyalität (sorry, eine Binse!) ist eben keine Einbahnstraße.
Und braucht es die Gute-Laune-Filmchen und Durchhalteanzeigen der verschiedenen Unternehmen? Für meine Laune machen sie keinen Unterschied, aber offensichtlich beeinflussen sie durchaus Massen im Sinne von #stayathome und liefern Kreativen und Filmemachern Beschäftigung – insofern zeigt sich: Auch Imagekommunikation in diesen Tagen ist eine gute Investition in unsere Gesellschaft.

Diese Pandemie und ihre Folgen werden uns verändern – ganz bestimmt! Unsere Wertewelt wird neue Schwerpunktsetzungen erhalten, sagen die Soziologen – gut vorstellbar! Werden sich die Regeln einer verantwortungsvollen, strategischen Unternehmenskommunikation verändern? – Ganz sicher nicht! Vom Homeoffice unterm Dach orakle ich mal: In einem Jahr diskutieren wir wieder über den Mehrwert von klarem Unternehmenszweck und Haltung – überzeugter denn je. In diesem Sinne: Bleiben Sie achtsam mit sich und ihrem Umfeld !

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